Ich will tanzen...

Natalie Kusch

 

Für die Balletttänzerin Natali Kusch sind die Wörter aus dem populären Musical ohne Übertreibung ein Motto des ganzen Lebens.

Seit 2005 - nach dem Abschluss des Studiums im Konservatorium des Ballettes in der Stadt Sankt Pölten wurde Natali in die Truppe des Wiener Staatsopernballetts aufgenommen und nahm praktisch an allen Ballettvorstellungen teil.

Im Repertoire Natalie Kusch sind die Solopartien in den Balletten "Mayerling" (als Frau des Kronprinzen Rudolf Stefanie), "Onegin" (Olga), "Schwanensee" (Tanz der kleinen Schwäne, Pas-de-quatre), "Romeo und Julia" (die Zigeunerin), "Schätze der Welt" ("Rubine", "Der Rausch der Genauigkeit"), "Don Quichote" (Freundin Kitri).

Speziell für die Webseite hat Natali auf einige immer wiederkehrende Fragen geantwortet.

 

- Warum hast du aus der ganzen Palette der Tänze gerade das klassische Ballett gewählt?
- Wie bei vielen anderen, hat alles in der Kindheit angefangen. Im Fernsehen habe ich eine Ballettänzerin – im Ballettröckchen und in Ballettschuhen gesehen - und habe mich ins Ballett verliebt.

– Du bist in einer kleinen Stadt aufgewachsen, wo kein Ballettstudio war, und hast in einem Kindertanzensemble zu tanzen angefangen. Nichtsdestoweniger hast du eine ausreichende Tanzausbildung bekommen, um in einem der angesehensten Theater der Welt – in der Wiener Oper – zu arbeiten.
KindShida Tagirovna and Natalie– Ich denke deshalb mit großer Dankbarkeit an meine Lehrer. Die Leiterin des Kinderensembles Nina Nikititschna Borodina hat mir die Grundlagen des Tanzes beigebracht, sie hat mir die ersten Bewegungen an der Stange vorgeführt, sie hat mir geholfen, mich zum Eintritt in die Tanzfachschule vorzubereiten. Ich bin ihr als Pädagogin sehr dankbar.
Das Theater in Dnepropetrowsk hat mir auch sehr viel gegeben. Dadurch, dass sowohl der Ballett-Direktor des Theaters, als auch der Hauptballettmeister Alexander Nikolajewitsch Sokolow an mich geglaubt haben. Er hat sehr viel mit mir gearbeitet, und ich bin in diesen anderthalb Jahren im Theater sehr gewachsen. Er hat mir die Möglichkeit gegeben, mich zu präsentieren, ich habe Solotänze in "Dornröschen", "Nussknacker" und "Schwanensee" gezeigt. Damals wurde mein Talent entdeckt, denn wenn man viel arbeitet und tanzt, dann zeigt sich auch das Ergebnis.
Aber die wichtigste Etappe in meinem Leben hat in Sankt-Pölten angefangen. Schida Tagirowna Mubarjakowa hat mir genau die Grundlage des klassischen Ballettes gegeben, die ich von meiner Kindheit an nicht bekommen habe. Sie ist eine ausgezeichnete Pädagogin, eine Balletttänzerin der höchsten Klasse, sie hat selbst bei der großen russischen Balletttänzerin Semjonowa gelernt. Schida Tagirowna hat mir sehr viel gegeben, sie hat einfach ihre ganze Seele für mich gegeben. Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass sie für mich damals wie meine eigene Mutter war, und auch jetzt ist, durch ihre psychologische Unterstützung sowohl im Studium, als auch im Leben ... Sie wollte sehr, dass ich mich in dieser Arbeit finde, und half mir sehr. Ich bin ihr unendlich dankbar.

– Und wie gut kommst du mit den Kollegen im Theater aus?
– Normal. Mit den Künstlerkollegen arbeiten wir einfach viel zusammen – in der Klasse, bei den Proben, auf der Bühne. In dieser Saison wurde es mit dem Amtsantritt von Manuel Legris als Direktor des Wiener Staatsopernballetts besonders interessant zu arbeiten. Er ist selbst eine Star-Persönlichkeit, aber mit ihm sind auch sehr interessante Ballettregisseure gekommen, mit denen zu arbeiten den Künstlern auch einzigartige professionelle Erfahrung bringt.

Natalie Kusch- Hast du irgendwelche besonders Lieblingsballette?
- Also, alle klassischen Ballette, so scheint es mir, - die sowohl bei den Künstlern, als auch bei den Zuschauern beliebt sind. Mir gefällt sehr "Don Quichote", "Dornröschen", "Gisele" und "Schwanensee". Natürlich, das ist bei weitem nicht ganze Liste der Ballette, denen ich den Vorzug gebe. Es gibt auch viele interessante Ballette im neoklassischen Stil.

- Die Arbeit als Balletttänzerin hat nicht nur eine Paradeseite. Was passiert hinter den Kulissen?
- Es gibt Vieles. Eine Ballettvorstellung ist doch eine sehr komplizierte Sache, in der viele Arbeitsgruppen des Theaters miteinander verbunden sind: die Garderobiere, die Friseure, die Maskenbildner, die Beleuchter, die Bühnenarbeiter ... Man sieht nur das Ballett und das Orchester. Vom Orchester hängt sehr viel ab – was für ein Tempo angeben wird, wie genau das Tempo eingehalten wird. Ein Beispiel dafür: Vor kurzem war in der Wiener Oper das Ballett "Schwanensee" wieder auf dem Plan. Es unterschied sich etwas von der klassischen Version dadurch, dass die Beine wesentlich höher gehoben wurden. Der bekannte Balletthit «Der Tanz der kleinen Schwäne» war bei einer solchen Choreografie, wie wir scherzten, einem "Tanz der kleinen «Pferdchen" ähnlich. Und plötzlich spielt das Orchester doppelt so schnell. «Die kleinen Schwäne» ist eine Miniatur, die weniger als zwei Minuten dauert. In diesem Fall wird rettet dich keine schauspielerische Hochleistung; man muss einfach synchron tanzen. Und wenn die Beine doppelt so hoch gehoben werden sollen und das Tempo doppelt so schnell ist? Wir waren einfach schockiert! Wir sind zwar zurechtgekommen, natürlich. Nach der Vorstellung hatten der Ballettdirektor und der Dirigent eine starke Auseinandersetzung...

Natalie Kusch- Das Ballett bedeutet die ständige Sorge um die physische Form. Die Plastizität, der Körperspannung, das Gewicht, die Ernährung ... Hat die zierliche Natali Kusch irgendwelche spezielle Diäten, Geheimnisse?...
- Ich habe gar keine besonderen Geheimnisse. Um in guter Form zu sein, muss man eine Stunde früher zur Klasse kommen, und später weggehen. Dazu auch fünf-sechs Stunden Training während des Urlaubes. Das ist obligatorisch.
Die Ernährung? Gewöhnliche gesunde Nahrung: verschiedene Gemüsesalate, Früchte, Suppen, Buchweizengrütze (ja-ja, genau das!), leichtverdauliches Fleisch: Huhn, Kaninchen. Ich esse kein Schweine- und kein Rindfleisch, weil ich es einfach von Kind auf nicht mag. Ich mache keine eigenartigen Diäten. Bei einer solchen physischen Belastung bleibt das Gewicht von selbst auf dem nötigen Niveau, es kann nur sein, dass ich im Urlaub ein bisschen zunehme. Aber das geht schnell weg, ich kann auch vor einer Premiere vor Aufregung das eine oder andere überflüssige Kilogramm verlieren. Aber eigentlich hängt das Gewicht auch von der natürlichen Struktur des Menschen ab, auch davon, wie leicht die Knochen und die Muskeln sind. Kaiserin Elisabeth (Sissi, wie sie in Österreich genannt wird) hatte ein Gewicht von 45 kg bei einer Größe irgendwo bei 175 cm, und bis jetzt ist sie für ihre Verehrerinnen ein Vorbild zur Nachahmung. Experimente mit den Diäten bringen aber nichts Gutes. Vor meinen Augen haben deswegen einige Balletttänzerinnen die Bühne verlassen und sich vom Ballett verabschiedet. Alles soll vernünftige Grenzen haben, meine ich.

- Die Sympathie der Zuschauer. Inwiefern ist das für Natali Kusch wichtig?
- Sicher, ist es angenehm, die positive Reaktion der Zuschauer während der Vorstellung zu fühlen. Es ist allgemein bekannt, dass der Künstler den Saal nur im Augenwinkel sieht, aber die Reaktion der Zuschauer, die Atmung des Saals werden auf der Szene sehr deutlich empfunden. Es ist natürlich angenehm, wenn Beifall erschallt, während man einen Tanz ausführt, und wenn man beim Verbeugen «Bravo!» hört ...

- Und wenn die Blumen auf die Bühne fliegen?
- (Lächelnd) Blumen ... das ist besonders angenehm. Es kommt vor, dass man Blumen schon nach der Vorstellung, beim Ausgang aus dem Theater bekommt. Das passiert, wenn die Person einfach physisch nicht imstande ist, den Strauß über den Orchestergraben hinüberzuwerfen. Beim Diensteingang nach der Vorstellung warten gewöhnlich immer die Autogrammjäger auf die Künstler. Es kommen einfach komische Situationen vor. Einmal, nach "Onegin" hat eine russische Touristin außer Programm fast noch zehn Blättchen im Notizblock verbraucht: unterschreiben Sie noch, bat sie, und noch einmal ... Ich habe mich gewundert: na warum brauchen Sie soviel? Sie sagte: «Ich habe ein Kinderballettstudio, ich werde den Schülern die Autogramme von Ihnen schenken...».

- Na ja. Kinder sind dankbare Geschöpfe, aber Autogramme aus Wien – das ist für sie wohl zu viel.
- Mir scheint es auch so. Die Kinder sind überhaupt so unterhaltende Zuschauer. Einmal habe ich an einem Weihnachtskonzert im Kulturzentrum der italienischen Botschaft in Österreich teilgenommen. Ich tanzte dort die Variation und den Pas-de-deux aus «Dornröschen» (der Partner war David Dato). Es sind ganze Familien mit ihren Kindern gekommen, die Atmosphäre im Saal war warm. Nach dem Konzert gab es Beifall, Worte der Dankbarkeit von den Organisatoren, Rosen, Fotos zum Andenken ... Und plötzlich drängt sich durch die Menge, zwischen den Beinen der Erwachsenen ein ganz kleines Mädchen durch, ungefähr vier Jahre alt. Es ist zu mir gelaufen, hat meine Beine umarmt, sich an mich gedrückt und gesagt: «Ich will die Prinzessin haben... das ist meine Prinzessin ...». Das ist natürlich lustig, aber zugleich ist es angenehm, dass das Mädchen, das vielleicht zum ersten Mal im Leben eine Balletttänzerin gesehen hatte, einige fröhliche Eindrücke bekommen hat und ihre Emotionen ohne Scham ausgeschüttet hat. Möglicherweise ist das ein Beispiel der positiven Auswirkung der Kunst auf die Psyche des Kindes.

- Eine der üblichen Fragen. Ein Ballettkünstler im Theater kann für sich selbst keine Pläne machen, diese hängen von vielen Faktoren ab: von den Plänen des Theaters, dem Ballettmeister usw. Aber was würden Sie gene tanzen? Und welche Träume sind schon in Erfüllung gekommen?
- Ich will möglichst viel von Allem tanzen sowohl im klassischen Repertoire, als auch in Neoklassik, und einige Träume haben sich schon erfüllt. Sehr wichtig sind für mich, zum Beispiel, die Partien der Olga in "Onegin" und der Stefanie in "Mayerling" geworden. Sehr viel Aufregungen und Freude hat mir die Arbeit am "amerikanischen Abend" – in " Rubine" und "Rausch der Genauigkeit" gebracht. Es ist für mich sehr interessant, das zu tanzen, was im Ballett "Freundinnen" heißt - in "Don Quichote", in "Coppelia", in "Romeo und Julia". Davon, was jetzt gerade einstudiert wird, werde ich nicht erzählen: es ist besser, über die neuen Arbeiten erst nach der Premiere zu reden.

Interview hat Vlad Levi vorbereitet
Übersetzung: Anastasia Trubina

 

 

 

 

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